Schweizer Bundesrat will kein PMSG-Verbot - Hintertürchenpolitik statt konsequent für Tierschutz
Noch vor der Verhandlung über die Motion haben wir dem Bundesrat unsere gesammelten Unterschriften überreicht. Dennoch empfiehlt er die Motion zur Ablehnung. (Bild: Olivier Bieli)
Der Bundesrat in der Schweiz lehnt ein gesetzliches PMSG-Verbot ab – und hält damit der Branche ein Hintertürchen offen. Doch eine tierfreundliche Herstellung des Hormons ist unmöglich: In Südamerika und Island leiden trächtige Stuten systematisch für die Gewinnung von PMSG. Jetzt heißt es, maximalen Druck aufzubauen, bevor das Geschäft im Nationalrat behandelt wird.
Im Juni haben wir unsere gemeinsam mit unserer Schweizer Partnerorganisation Tierschutzbund Zürich (TSB) lancierte Petition für ein gesetzliches PMSG-Verbot lanciert. Über 17'000 Menschen, auch aus Deutschland, sprechen sich gemeinsam mit uns gegen das Qualhormon aus. Gleichzeitig hat eine Schweizer Nationalrätin einen Antrag für ein Verbot gestellt. Nun hat sich der Bundesrat geäußert – und empfiehlt den Antrag zur Ablehnung. Begründung: Man wolle keine "gesetzlichen Verbote ‘auf Vorrat’", das privatrechtliche Verbot der Branche reiche aus.
Das sehen wir anders. Der Bundesrat will mit seiner Ablehnung der Motion der Branche das Hintertürchen offenhalten. In einem Artikel der Schweizer Bauernzeitung (Ausgabe vom 22.8.) macht dies auch der Geschäftsführer des dortigen Schweinezüchterverbands Suisseporcs, Stefan Müller, klar: "[…] Sollte PMSG einmal aus einwandfreier Herstellung verfügbar sein, so sieht Müller keinen Grund, warum es nicht wieder erlaubt werden sollte. Da wäre ein Verbot auf Gesetzesebene ein Hindernis", heißt es in dem Artikel.
"Einwandfreie Herstellung" ist unrealistisch
Doch dank unserer langjährigen Recherchen in den Produktionsländern Uruguay, Argentinien und Island ist klar: Dort sind Tierschutzprobleme bei der PMSG-Gewinnung systematisch. Denn um das Hormon zu gewinnen, wird trächtigen Stuten literweise Blut abgezapft. Das geht laut Experten nicht ohne Tierleid. Stuten, die kaum an Menschen gewöhnt sind, geraten in Panik oder geben sich auf, wenn ihnen Blut entnommen wird. Die Fohlen werden als Nebenprodukt abgetrieben oder geschlachtet. Es ist klar: eine tierfreundliche Produktion von PMSG ist schlicht unmöglich.
Dass unter dem Einsatz von PMSG zudem auch die Sauen, denen das Mittel gespritzt wird, leiden, dass ihre Würfe zu gross werden und Ferkel sterben: Für den Bundesrat und den Suisseporcs-Chef Müller offenbar nicht erwähnenswert.
Ein Verbot wäre ein Gesetz der Vorsorge und Fürsorge und ein klares Zeichen an die PMSG-Lieferanten in Südamerika und Island: Mit der Schweiz nicht!
Jetzt ist der Nationalrat in der Verantwortung
Jetzt ist der Nationalrat gefordert. Er wird in einer der kommenden Sessionen über ein gesetzliches PMSG-Verbot entscheiden. Darum müssen wir nun den Druck erhöhen.
Unterzeichnen Sie die Petition und laden Sie Ihre Bekannten, Freunde und Familie ein, ebenfalls zu unterschreiben:
Die Petition bleibt bis zur Behandlung des Antrags im Nationalrat offen. Sobald klar ist, wann er verhandelt wird, wird der TSB die Nationalrät:innen mit der Petition konfrontieren. Helfen Sie uns, ein starkes Zeichen zu setzen gegen das Qualhormon. Mit Ihrer Unterschrift.

