02. April 2026

Lämmertransporte vor Ostern: Gebrochene Beine, kein Wasser, kaum Platz

Gemeinsam mit Essere Animali waren wir in Italien unterwegs, um Lämmertransporte zu kontrollieren.

Tierärztin Tea Dronjić begutachtet einen Lkw aus Frankreich, der Lämmer nach Italien bringt.

Die Lämmer werden teilweise über 30 Stunden transportiert.

Gemeinsam mit der italienischen Organisation Essere Animali haben wir kurz vor Ostern Langstreckentransporte von Lämmern nach Italien kontrolliert. Dabei dokumentierten wir zahlreiche Verstöße gegen die Tiertransportverordnung – darunter etwa verletzte Tiere, die trotz gebrochener Beine weitertransportiert wurden. Wir zeigten zwei Transporter an. Doch das geltende Gesetz reicht nicht aus. 

Vor Ostern steigt in Italien traditionell die Nachfrage nach Lammfleisch stark an. Da die heimische Produktion den Bedarf nicht decken kann, werden jedes Jahr hunderttausende Lämmer aus anderen EU-Ländern importiert. Allein im vergangenen Jahr wurden in der Zeit vor Ostern mehr als 153.000 Lämmer nach Italien transportiert – teils auf Strecken, die über 30 Stunden dauern.

Ende März führten wir deshalb zusammen mit unseren Kolleg:innen von Essere Animali Kontrollen auf italienischen Autobahnen durch. Schwerpunkt war die Grenzregion bei Ventimiglia in Ligurien, wo Tiertransporte aus Frankreich und Spanien nach Italien kommen – zwei der wichtigsten Exportländer für Lämmer. Insgesamt kontrollierten wir fünf Tiertransporter und zeigten zwei davon bei den Behörden an. Wir dokumentierten folgende Verstöße gegen die Tiertransportverordnung:

  • Überladene Transporter, sodass sich die Tiere nicht hinlegen konnten.
  • Tränkesysteme, die für Lämmer ungeeignet oder nicht nutzbar sind.
  • Fehlende oder unzureichende Einstreu. 
  • Zu niedrige Abteile, in denen die Schafe ihren Kopf nicht heben können und die eine ausreichende Belüftung verhindern.
  • Fahrzeuge in einem schlechten technischen Zustand, was die Sicherheit der Tiere gefährdet. 

Schwer verletzte Tiere stundenlang weitertransportiert

Besonders erschütternd war der Fall eines Lastwagens mit rund 300 Schafen aus Frankreich, die zu einem Schlachthof in der Region Abruzzen transportiert wurden. Mindestens vier Tiere waren zwischen Seitenwand und Boden des Anhängers eingeklemmt und hatten gebrochene Beine. Wir informierten die Verkehrspolizei, die den Transport stoppte und eine tierärztliche Kontrolle anordnete.

Die tierärztliche Untersuchung beschränkte sich jedoch auf die erste Ebene des Transporters. Die eingeklemmten Tiere auf einer höheren Ebene wurden nicht untersucht. Obwohl verletzte Tiere laut Vorschrift im nächstgelegenen Kontrollstall untergebracht werden müssten – und sich ein solcher auf der Strecke befand – durfte der Transport fortgesetzt werden. Für die betroffenen Tiere bedeutete das weitere zehn Stunden Leiden. 

Solche Fälle sind leider keine Ausnahme. Zu oft werden Verstöße nicht konsequent geahndet.

Gesetzliche Lücken ermöglichen Tierleid

Viele Probleme entstehen jedoch nicht nur durch mangelhafte Kontrollen, sondern auch durch unzureichende gesetzliche Vorgaben. Ein Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zeigt, dass die aktuelle EU-Tiertransportverordnung aus dem Jahr 2005 nicht ausreicht, um Tiere angemessen zu schützen. Gemäss dem Gutachten braucht es unter anderem:

  • Deutlich mehr Platz für Tiere, 
  • Schutz vor extremen Temperaturen, 
  • deutlich kürzere Transportzeiten.

„Unsere Kontrollen zeigen Jahr für Jahr, dass Tiere auf langen Transporten massiv leiden – oft völlig legal“, sagt unsere Projektleiterin Tea Dronjić. „Die aktuelle Verordnung enthält viele Grauzonen. Dadurch ist es häufig unmöglich einzugreifen, auch wenn das Wohlergehen der Tiere nicht gewahrt wird.“

Reform der Tiertransportverordnung blockiert

Bereits 2023 hat die EU-Kommission eine Überarbeitung der Tiertransportverordnung vorgeschlagen. Dennoch gilt weiterhin das Gesetz aus dem Jahr 2005, da politische Kräfte im EU-Parlament die Reform blockieren. 

„Die vorgeschlagene Überarbeitung ist nicht perfekt, enthält aber wichtige Verbesserungen für Tiere“, erklärt die Veterinärin Dronjić. „Dass diese Reform blockiert wird, ist nicht hinnehmbar. Millionen Tiere zahlen dafür mit ihrem Leid.“

Wir fordern daher eine umfassende Reform der EU-Tiertransportverordnung, die Tiere beim Transport konsequent und gemäß neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen schützt.