Tausende Rinder auf See gefangen – Frachtschiff „Spiridon II“ vor türkischer Küste festgesetzt
Seit über zwei Wochen sitzt das Frachtschiff "Spiridon II" mit 2901 Rindern aus Uruguay an Bord vor der türkischen Küste fest. Die Behörden verweigern die Entladung, weil es Unstimmigkeiten bei den Ohrmarken der Tiere gibt. Die Rinder befinden sich insgesamt seit mehr als 50 Tagen auf dem Schiff. Laut einem Schreiben des Schiffseigners sind mindestens 48 Tiere gestorben. Nachdem die Medien den Druck erhöht haben, durfte das Schiff inzwischen zwar kurz andocken und Futter und/oder Einstreu laden. Doch wie es mit den Rindern - allem Anschein nach trächtige Färsen - weitergeht, ist derzeit noch unklar.
Gemeinsam mit Animal Advocacy and Food Transition, Animals International und der australischen Tierärztin und Expertin für Schiffstransporte Dr. Lynn Simpson hat unsere Partnerorganisation Animal Welfare Foundation (AWF) die türkischen Behörden in einem Brief aufgefordert, die Tiere umgehend zu entladen, um weiteres Leid zu verhindern.
Auch wenn sich der Fall ausserhalb der EU abspielt und keine europäischen Tiere betroffen sind, haben unsere Partner die EU-Kommission offiziell ersucht, zu intervenieren und alle diplomatischen und technischen Schritte zu unternehmen, um die sofortige Entladung der überlebenden Rinder zu ermöglichen. Selbst wenn zunächst nur Tiere mit korrekter Kennzeichnung von Bord gebracht werden könnten, würde das die Überbelegung verringern und den verbleibenden Tieren besseren Zugang zu den knappen Ressourcen ermöglichen.
„Nach der wochenlangen Überfahrt von Uruguay in die Türkei sind die Tiere ohnehin geschwächt. Jede weitere Verzögerung bedeutet massives Tierleid“,
sagt unsere Projektleiterin Maria Boada Saña.
Druck auf die Behörden steigt
Wir haben auch die Medien über den Fall informiert und inzwischen haben mehrere Newsportale über den Fall berichtet – in der Türkei, aber auch in Uruguay, in Brüssel und an anderen Orten. Der öffentliche Druck auf die türkischen Behörden wächst. Dies dürfte auch der Grund sein, warum das Schiff am Sonntag kurzzeitig im Hafen von Bandırma anlegen konnte.
Mit Hilfe unserer Partnerorganisation in der Türkei, dem Animal Save Movement Türkiye, filmten wir die "Spiridon II" am Dock. Unsere Aufnahmen zeigen, dass Futter und/oder Einstreu geladen werden. Gemäss unseren Beobachtungen wurden aber keine Tiere entladen – weder lebendige noch tote. Auf den Videoaufnahmen sind schwarz-weisse Rinder zu erkennen. Das lässt darauf schliessen, dass sie aus der Milchindustrie stammen.
Laut Medienberichten will die Türkei die Tiere nicht akzeptieren. Der Schiffseigner soll nun versuchen, die Rinder in die Ukraine weiterzuverkaufen. Eine solche Weiterfahrt wäre für die Tiere katastrophal: Nach mehr als 50 Tagen auf See sind sie geschwächt, dehydriert und gestresst.
„Das Schicksal dieser 2901 Rinder steht exemplarisch für das System der Lebendtierexporte auf hoher See“, so Boada Saña weiter. „Solange solche Transporte erlaubt sind, werden sich diese Tragödien wiederholen.“
Die Spiridon II fährt unter togolesischer Flagge und transportiert hauptsächlich Tiere von Südamerika in den Nahen Osten. Eine Genehmigung, in europäischen Häfen Tiere zu laden, besitzt sie nach unserem Wissen nicht mehr. Dank unseres Teams vor Ort bleiben wir an dem Fall dran und informieren über die neuesten Entwicklungen.
Wir fordern seit Tagen, dass die Tiere entladen werden, um weiteres Leid und Todesfälle zu verhindern. Doch die Behörden handeln nicht – und die Qual der Tiere dauert an. Nach Tagen ohne Ausweg appellieren wir dringend an die Behörden, die Tiere tierärztlich begutachten zu lassen und diejenigen, die krank oder geschwächt sind, von ihrem Leid zu erlösen. Die restlichen Tiere müssen ohne Verzögerung an Land gebracht werden.
Dieser tragische Fall zeigt einmal mehr, dass Tiertransporte auf dem Seeweg nicht vertretbar sind.Wir fordern ein Ende dieser grausamen Praxis – damit so etwas nie wieder passiert.
Den Brief an die EU-Kommission finden Sie hier.
Den Brief an die türkischen Behörden finden Sie hier.
Den Brief an die WOAH finden Sie hier.
Die Medienmitteilung der AWF finden Sie hier.


