Medienmitteilung: Zehn Stunden Fahrt statt kurzer Wege - Transport von Schweizer Ferkeln nach Deutschland wirft Fragen auf
Wie das SRF am 19. Juni 2026 berichtet, sollen zwischen Juni und November 2026 über 20'000 Ferkel in den deutschen Schlachtbetrieb exportiert werden. Grund sind massive Überkapazitäten. Laut Suisseporcs produzieren die Schweinezuchtbetriebe wöchentlich 5'000 Ferkel mehr, als der Schweizer Markt aufnehmen kann.
Teams des Tierschutzbund Zürich sind einem Ferkeltransport gefolgt und haben die Fahrt dokumentiert. Das Ergebnis der Recherche veranlasst den Tierschutzbund Zürich zu kritischen Fragen an das BLV, welches für die Genehmigungen und Überwachung der Transporte zuständig ist, und an Suisseporcs, deren Mitgliedsbetriebe für die Überproduktion verantwortlich sind.
Für Josephine Cornes, Projektleiterin beim Tierschutzbund Zürich, werfen die wöchentlichen Ferkeltransporte Fragen hinsichtlich der Vereinbarkeit mit dem Schweizer Tierschutzrecht auf. Artikel 15 des Tierschutzgesetzes begrenzt die zulässige Fahrzeit innerhalb der Schweiz grundsätzlich auf sechs Stunden. Zwar gelten für grenzüberschreitende Transporte die Bestimmungen der EU-Verordnung (EG) Nr. 1/2005. Diese hält jedoch ausdrücklich fest, dass lange Tiertransporte aus Gründen des Tierwohls auf ein Mindestmass beschränkt werden sollen. Zudem verpflichtet sie die Verantwortlichen, die Transportdauer so kurz wie möglich zu halten und unnötige Belastungen der Tiere zu vermeiden.
Die Folge der Überproduktion sind tausende Ferkel, die aus dem Schweizer Markt verschwinden sollen. «Die überzähligen Jungtiere gefährden die Schweizer Erzeugerpreise. Statt die Überproduktion zu verhindern, werden Woche für Woche 900 Ferkel nach Deutschland zum Schlachten transportiert», kritisiert Josephine Cornes vom Tierschutzbund Zürich und will wissen, ob für die zweite Jahreshälfte ein Ende der Exporte in Sicht ist, nachdem am 17. Juli 2026 laut einem Suisseporcs-Bericht der Einzug für den Marktentlastungsfonds gestoppt wurde. "Warum werden Ferkel rund zehn Stunden zum Schlachten nach Deutschland transportiert und Schweizer Schlachthöfe nicht angefragt? Uns drängt sich der Verdacht auf, dass den Tieren der lange Transport aus rein ökonomischen Erwägungen zugemutet wird», vermutet der Tierschutzbund Zürich.
Ferkel zählen zu den empfindlichsten Nutztieren. Lange Transportzeiten verursachen nach wissenschaftlichem Kenntnisstand erheblichen Stress und beeinträchtigen das Wohlbefinden der Tiere. Vor diesem Hintergrund ist nicht zu akzeptieren, dass Tiere über viele Stunden ins Ausland transportiert werden.
Im offenen Brief fordert der Tierschutzbund Zürich Suisseporcs und BLV auf, zu erklären,
- weshalb Ferkel trotz vorhandener Schlachtkapazitäten in der Schweiz nach Deutschland transportiert werden,
- welche wirtschaftlichen oder strukturellen Gründe Transportzeiten von zehn Stunden oder mehr rechtfertigen,
- ob Alternativen mit kürzeren Transportwegen geprüft wurden,
- weshalb Ferkel exportiert werden, während gleichzeitig Schweinefleisch importiert wird,
- und welche Massnahmen künftig verhindern sollen, dass wirtschaftliche Interessen zulasten des Tierwohls gehen.
Der Tierschutzbund Zürich betont, dass sich die Schweiz international für hohe Tierschutzstandards rühmt. Die dokumentierten Tiertransporte sind ethisch nicht vertretbar und unnötig. Besonders die Langstreckentransporte von Jungtieren über viele Stunden aus der Schweiz ins Ausland als Folge von Missmanagement sind nicht tolerierbar. «Wir erwarten von BLV und Suisseporcs Antworten und Lösungen, die das Wohl der Tiere im Blick haben. Wir fordern ein Ende der Überproduktion und der damit verbundenen Langzeittransporte», drängt der Tierschutzbund Zürich auf mehr Tierschutz bei den Schweinzuchtbetrieben und auf ein Ende der Tiertransporte ins Ausland.
Offener Brief an Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV
