Das Horror-Schiff kehrt zurück – Spiridon II auf Todeskurs nach Uruguay
Die Spiridon II ist wieder auf dem Weg nach Uruguay, die überlebenden Tieren sind noch immer an Bord. Die wenigsten dürften die Überfahrt überleben.
Die Qual der Tiere nimmt kein Ende: Nachdem die Spiridon II wochenlang vor der türkischen Küste festlag und keine Entladeerlaubnis erhielt, hat der Frachter nun wieder Kurs auf Uruguay genommen. Für die fast 3000 Rinder an Bord – die Hälfte davon trächtig – bedeutet das einen weiteren Monat eingepfercht auf dem Schiff. Futter und Wasser sind knapp. Die Tiere dürften diese Tortur nicht überleben.
Nach einer bereits einen Monat dauernden Überfahrt lag die Spiridon II seit dem 22. Oktober vor der türkischen Küste, weil die Behörden wegen fehlerhafter Papiere die Entladung verweigerten. Erst dank unserer Intervention durfte das Schiff kurz anlegen, um Futter und Wasser nachzuladen – die Tiere mussten dennoch an Bord bleiben.
Was wir über ihren Zustand erfuhren, ist erschütternd: Mindestens 58 Rinder waren bereits tot. Zudem haben die trächtigen Färsen bereits über 140 Kälber geboren. Die türkischen Behörden fanden 50 Kälber bei einer Inspektion – ob lebend oder tot, bleibt unklar. Vom Rest fehlt jede Spur!
Rückkehr nach Uruguay
Wir haben tagelang bei Behörden Druck gemacht, Medien weltweit informiert und versucht, die Rettung der Tiere zu erzwingen. Doch am Freitagabend zeigte der Schiffstracker plötzlich Bewegung: Die Spiridon II fährt zurück nach Montevideo. Ankunft: Mitte Dezember.
Für die Tiere ist das ein Todesurteil. „Die meisten, wenn nicht alle, werden diese Horrorüberfahrt nicht überstehen“, sagt unsere Projektleiterin und Tierärztin Maria Boada Saña. Unklar ist, ob überhaupt genügend Futter geladen wurde. Für die vielen trächtigen Tiere ist die Lage besonders dramatisch.
Die erfahrene Bordtierärztin Lynn Simpson, die gegen 60 Überfahrten begleitet hat, warnt: „In dieser Enge und unter diesen unhygienischen Bedingungen sind Fehlgeburten fast unvermeidlich. Und selbst wenn ein Kalb lebend geboren wird, hat es kaum eine Chance.“ Sterben die Kälber, droht den Müttern eine schmerzhafte Mastitis, weil sie nicht gemolken werden können – behandeln kann sie an Bord niemand. Denn bei solchen Überfahrten ist es in Uruguay keine Pflicht, dass ein Tierarzt an Bord ist – wie übrigens auch in der EU nicht.
Tote Tiere werden vermutlich über Bord geworfen
Nach all dem Leiden droht den toten Tieren ein unwürdiges Ende: „Tote Tiere werden auf See oft einfach über Bord geworfen“, sagt Maria Boada Saña. Sobald das Schiff den Atlantik erreicht, ist es praktisch unmöglich zu kontrollieren, was mit den toten Körpern passiert. Und dass die Crew die verrottenden Körper an Bord behält, ist praktisch ausgeschlossen.
Wir kämpfen weiter für die Tiere - und für die Crew
Noch etwa eine Woche bleibt die Spiridon II im Mittelmeer. Solange sie europäische Gewässer durchfährt, setzen wir alles daran, die Behörden der Küstenstaaten zum Handeln zu bewegen. Sie sollen das Schiff anhalten und die Tiere von ihrem Leid erlösen!
Wie uns eine gut informierte, mit dem Schiff vertraute Quelle berichtet, lebt auch die Crew der Spiridon II unter prekären Bedingungen. Die Menschen an Bord sind weder ausgebildet noch ausgerüstet, um sich um schwer kranke oder sterbende Tiere zu kümmern. Sie stehen einer Aufgabe gegenüber, die niemand bewältigen kann. Auch sie müssen aus dieser Situation befreit werden – denn sie tragen keinerlei Verantwortung für diese unsägliche Tragödie.
Der Tod der Rinder soll nicht umsonst sein
Wir werden diese Tiere nicht aus den Augen verlieren. Auch wenn wir ihr Schicksal nicht mehr wenden können, wird ihre Leidensgeschichte Gewicht haben – sie wird den politischen Druck verstärken, damit diese brutalen Lebendtiertransporte endlich der Vergangenheit angehören.
Denn dies ist kein bedauerlicher Einzelfall, sondern ein Versagen des gesamten Systems. Solange tierbeladene Frachter die Meere überqueren, kann eine solche Tragödie jederzeit passieren – auf jedem Schiff, von jedem Kontinent, auch aus Europa.
Darum fordern wir mit Nachdruck: Lebendexporte über den Seeweg müssen verboten werden!

