01. Februar 2026

Frachter "Darla" bleibt vorerst im Hafen – unsere Intervention zeigt Wirkung

Das Tiertransporschiff "Darla" liegt aktuell in Cartagnea am Hafen. (Archivbild)

Am Mittwoch hätte das Tiertransportschiff Darla mit fast 8.000 Schafen nach Algerien auslaufen sollen – trotz schlechtem Wetter. Unsere Warnung an die Behörden hat das Schiff vorerst gestoppt, doch der Fall zeigt einmal mehr: Die aktuellen EU-Vorschriften für Tiertransporte auf See sind unzureichend, wissenschaftliche Erkenntnisse werden ignoriert, und Tiere bleiben unnötig gefährdet.

Das Tiertransportschiff Darla hätte am vergangenen Mittwoch knapp 8.000 Schafe laden und danach nach Algerien auslaufen sollen. Als wir davon erfuhren, waren wir sofort alarmiert: Denn für die Route war schlechtes Wetter angekündigt, mit meterhohen Wellen, die für Tiere, die Crew und das Schiff gleichermaßen gefährlich sein können.

Schon unter normalen Bedingungen leiden Tiere auf solchen Schiffstransporten massiv: Sie haben kaum Platz, können oft die Tränken nicht erreichen, erhalten keine medizinische Hilfe an Bord und werden häufig in Länder verfrachtet, in denen der Tierschutz nicht existiert. Bei Sturm und starkem Seegang verschärft sich das Leid weiter: Tiere können kaum das Gleichgewicht halten, sind extrem gestresst, verletzen sich leichter. Und auch die Stabilität des Schiffes ist gefährdet.

Wir haben darum sofort die zuständigen spanischen Behörden kontaktiert und in einem eindringlichen Schreiben gefordert, die Beladung und Ausfahrt der Darla nicht zu genehmigen, solange die Wetterbedingungen ungeeignet sind.

Ergebnis: Das Schiff liegt weiterhin in Cartagena vor Anker und soll nun erst am Montag beladen werden. Unsere Quellen bestätigen: Grund dafür ist unser Brief. Dies zeigt eindrücklich, dass direkter Einfluss auf die Behörden möglich ist. Doch die rechtlichen Grundlagen sind unzureichend!

Die Lücke in der EU-Tiertransportverordnung

Die aktuelle EU-Tiertransportverordnung 1/2005 enthält keine spezifischen Regeln für Schiffstransporte bei Sturm. Zwar heißt es im Text: „Tiere dürfen nur transportiert werden, wenn sie für die vorgesehene Reise geeignet sind und die Transportbedingungen keine Verletzungen oder unnötiges Leiden verursachen “, doch dieser Absatz ist in Bezug auf das Transportfahrzeug und die Transportbedingungen formuliert und nicht als explizite Regel, die Wettervorhersagen zu prüfen. 

In den Leitfäden und Durchführungsbestimmungen der zuständigen Behörden, zum Beispiel in den einzelnen Mitgliedsstaaten, werden zwar bestimmte Teile der Verordnung so ausgelegt, dass Wetterbedingungen berücksichtigt werden müssen. Diese Auslegungen beziehen sich allerdings vor allem auf Extremtemperaturen, nicht auf stürmisches Wetter.

Die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) hat festgestellt, dass alle Risiken, die für Strassentransporte gelten, auch für Schiffsfahrten bestehen – und oft noch gravierender sind, da die Reisezeiten viel länger dauern. In ihren Stellungnahmen betont die EFSA unter anderem:

  • „Der Transport in Frachtschiffen erhöht die Risiken für das Wohlbefinden der Tiere.“
  • „Während der Reisen auf Frachtschiffen ist Bewegungsstress ein hochrelevantes Tierschutzproblem, und auch wenn das Wetter vorhergesagt werden kann, kann raues Meer aufgrund der langen Dauer der Reisen nicht verhindert werden.“
  • „Zu den zusätzlichen Gefahren und Sorgen für das Tierwohl gehört (…) Bewegungsstress, der durch die Bedingungen auf See entsteht.“

Trotz dieser wissenschaftlich belegten Risiken hat die Europäische Kommission im neuen Vorschlag für die Tiertransportverordnung keine zeitliche Begrenzung für Seetransporte vorgesehen. Dabei hatte sich die Kommission im Rahmen der Farm to Fork Strategy im Mai 2020 ausdrücklich verpflichtet, die Tierschutz-Gesetzgebung auf Basis der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu aktualisieren. Doch die Kommission hat die Empfehlungen der EFSA in ihrem Entwurf schlicht ignoriert. 

Im Vorschlag der EU-Kommission für die Überarbeitung des Gesetzestextes heißt es zwar: „Der Veranstalter soll die Wettervorhersage für die Seestrecke bei der Planung der Fahrt berücksichtigen“. Doch das Wort „soll“ zeigt schon, dass diese Regelung vage und beliebig auslegbar ist. 

Warum jetzt Handeln notwendig ist

Wie berechtigt unsere Warnung war, zeigt ein aktueller Vorfall im Mittelmeer: Der Viehtransporter Blue Ocean A wurde in einem Wintersturm manövrierunfähig und musste von der Küstenwache gerettet werden. Zum Glück waren keine Tiere an Bord.

Die Situation rund um die Darla zeigt deutlich: Tiere sind auf See extrem gefährdet, gesetzliche Lücken verschärfen das Risiko, und die zuständigen Behörden reagieren nur, wenn wir Druck aufbauen und Missstände zeigen.

Darum setzen wir uns für ein starkes Tiertransportgesetz auf EU-Ebene ein. Aktuell berät das Parlament den Entwurf der Kommission. Die Abgeordneten können sich noch für bessere Gesetze stark machen. 

Doch die Verhandlungen im Europäischen Parlament sind aktuell ins Stocken geraten – zentrale Fortschritte werden von Mitgliedern der starken EVP-Fraktion blockiert. Ohne politischen Druck drohen schwache Gesetze oder sogar das Scheitern der Reform, obwohl die Mehrheit der EU-Bürger:innen strengere Regeln für den Schutz von Tieren fordert.

Fordern auch Sie die Abgeordneten auf, sich für ein starkes Tiertransportgesetz einzusetzen. Hier geht es zu unserer E-Mail-Aktion: Hier klicken.