14. Juni 2026

50.000 Unterschriften gegen Tiertransporte ins Krisengebiet überreicht

Zum internationalen Aktionstag „Ban Live Exports Day“ haben wir gemeinsam mit Partnerorganisationen knapp 50.000 Unterschriften gegen Tiertransporte in Krisen- und Kriegsgebiete an die Europäische Kommission übergeben. Wir fordern ein Ende des Exports lebender Tiere ins Krisengebiet und ein Verbot von Langstreckentransporten per Lkw und Schiff in Drittstaaten.

Jedes Jahr transportiert die EU Millionen von Tieren über weite Strecken in Drittländer. Die Tiere verbringen dabei oft Tage oder sogar Wochen auf Lastwagen und Schiffen. Diese Transporte bedeuten massiven Stress, Erschöpfung und Leiden. Besonders gravierend wird die Situation, wenn die Routen in Regionen führen, in denen Krieg oder politische Instabilität herrscht.

Ein aktueller Vorfall vor der Küste Omans verdeutlicht die zusätzlichen Risiken solcher Transporte. Dort sank ein Tiertransportschiff, nachdem es Berichten zufolge von einer Bombe oder Drohne getroffen wurde. Rund 4.000 Schafe und Ziegen starben bei dem Unglück.

Nach EU-Recht dürfen Tiere nur transportiert werden, wenn ihr Wohlergehen während der gesamten Reise gewährleistet ist und nicht zu erwarten ist, dass sie Verletzungen oder unnötigem Leiden ausgesetzt werden. Wir sind ebenso wie andere Tierschutzorganisationen der Ansicht, dass diese Anforderungen nicht erfüllt werden können, wenn Transporte durch aktive Konfliktgebiete führen.

Dennoch genehmigen die EU-Mitgliedstaaten weiterhin Transporte in die Kriegsregion. Seit der Eskalation des Konflikts im Nahen Osten im Februar 2026 wurden mehr als 50 Sendungen mit lebenden Tieren von EU-Häfen aus zu Zielen wie Israel, dem Libanon, Jordanien, Saudi-Arabien und Somalia exportiert.

50.000 Menschen fordern ein Ende der Transporte

Gemeinsam mit der französischen Tierschutzorganisation Welfarm haben die Initianten die Petition in Brüssel eingereicht und der EU-Kommission übergeben. Rund 50.000 Menschen unterstützen die Forderung nach einem sofortigen Stopp von Tiertransporten in Krisengebiete.

Vor Einreichung der Petition hatten wir und 25 weitere Tierschutzorganisationen die Europäische Kommission bereits aufgefordert, die Mitgliedstaaten anzuweisen, diese Exporte unverzüglich auszusetzen. In ihrer Antwort beharrte die Kommission jedoch darauf, dass der derzeitige Rechtsrahmen es ihr nicht erlaube, ein generelles Exportverbot zu verhängen, und argumentierte, dass Entscheidungen über die Aussetzung von Transporten weiterhin in der Zuständigkeit der einzelnen Mitgliedstaaten lägen. Wir begrüßten daher die Gelegenheit, das Thema direkt mit Vertretern der Kommission zu erörtern. Leider wiederholten diese beim Treffen die Antwort der Kommission und kündigten keine konkreten Maßnahmen an.

„Ban Live Exports Day“ sendet politisches Zeichen

Im Rahmen des Aktionstages schlossen sich viele Organisationen zusammen und schrieben an ihre Vertreter bei der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH). In unserem Fall war dies Dr. Katharina Kluge, Deutschlands oberste Veterinärbeamtin. Als deutsche Delegierte bei der WOAH ist sie an der Ausarbeitung neuer Empfehlungen für den Transport von Tieren beteiligt. Wir haben sie gebeten, sich bei der WOAH für Folgendes einzusetzen: 

  • strengere Vorgaben für Tiertransportschiffe
  • verbindliche Notfallpläne bei Verzögerungen oder Importverweigerungen
  • Tierärztinnen und Tierärzte an Bord bei langen Seetransporten
  • besseren Schutz für besonders verletzliche Tiere wie Kälber, trächtige Tiere und ausgediente Milchkühe

Unseren Brief an Frau Kluge können Sie hier lesen. 

Jedes Jahr lenkt der „Ban Live Exports Day“ die internationale Aufmerksamkeit auf die Realität der grausamen Lebendtiertransporte in Drittländer. Er rückt ein Problem in den Fokus, das oft im Verborgenen bleibt, aber Millionen von Tieren betrifft. In diesem Jahr haben sich 135 Organisationen zusammengeschlossen, um sich bei der WOAH für ein Verbot von Lebendtierexporten einzusetzen. Den gemeinsamen Brief, den auch wir unterzeichnet haben, finden Sie hier