Offener Brief an die Wirtschaftsministerin: Stoppen Sie den Import von Feedlot-Fleisch
Unsere neuesten Recherchen zeigen gravierende Tierschutzprobleme in EU-zugelassenen Rindermastbetrieben in Argentinien, Uruguay und Brasilien. Gleichzeitig fördert das seit Mai vorläufig angewendete Mercosur-Abkommen den Handel mit Rindfleisch, ohne verbindliche Tierschutzstandards für die Produktion festzulegen. Gemeinsam mit zwölf weiteren Organisationen fordern wir die Wirtschaftsministerin Katherina Reiche deshalb auf, den Import von Fleisch aus Feedlot-Haltung nach Deutschland zu stoppen.
Das Mercosur-Abkommen wird seit Mai 2026 vorläufig angewendet. Es sieht ein zusätzliches Kontingent von 99.000 Tonnen Rindfleisch zu einem reduzierten Zollsatz vor. Doch ohne verbindliche Tierwohlauflagen kann das Abkommen den Import von Fleisch aus intensiver Feedlot-Mast weiter fördern.
Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation Tierschutzbund Zürich haben wir zwischen August 2025 und März 2026 insgesamt 21 Feedlots in Argentinien, Brasilien und Uruguay dokumentiert. Die Aufnahmen zeigen verletzte und kranke Rinder, verschmutztes Trinkwasser, fehlende Schatten- und Liegeplätze sowie massiven Hitzestress. Nach Regenfällen stehen die Tiere teilweise knietief in Schlamm und Exkrementen. Ausnahmslos jedes von uns dokumentierte Feedlot weist schwere Missstände auf.
In den Feedlots werden die Rinder zudem mit Getreide gemästet. Eine solche Fütterung ist für Wiederkäuer nicht artgerecht und erhöht das Risiko von Stoffwechselerkrankungen.
Besonders problematisch: Die dokumentierten Betriebe sind für den Export in die EU zugelassen. Fleisch aus diesen Produktionssystemen kann somit auf den europäischen Markt gelangen. Das Mercosur-Abkommen enthält für Rindfleisch keine verbindlichen und durchsetzbaren Tierwohlstandards, die den Marktzugang an entsprechende Produktionsbedingungen knüpfen.
Gemeinsam mit 11 Partnerorganisationen haben wir Wirtschaftsministerin Katherina Reiche deshalb in einem offenen Brief zum Handeln aufgefordert. Wir fordern einen nationalen Importstopp für Fleisch aus Feedlot-Haltung sowie verbindliche und durchsetzbare Tierwohlstandards im Mercosur-Abkommen.
Denn das Abkommen fördert den Handel mit tierischen Erzeugnissen, ohne verbindlich zu regeln, unter welchen Bedingungen diese produziert werden. Gleichzeitig erhöht die zusätzliche Importmenge den Wettbewerbsdruck auf deutsche Landwirtschaftsbetriebe. "Mehr Rindfleischimporte aus Mercosur bedeuten mehr Tierleid. Die
Bundesregierung hat es in der Hand, mit einem Importverbot ein klares Zeichen zu setzen und sich für verbindliche Tierschutzstandards im Mercosur-Abkommen einzusetzen", sagt Projektleiterin Sabrina Gurtner.
Hier geht es zum offenen Brief.
Unsere Forderungen werden unterstützt von:
- Animals - A Crime
- Animal Equality Germany
- Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Nutztierhaltung e.V.
- Deutscher Tierschutzbund
- Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht e.V.
- Menschen für Tierrechte
- Mensch Fair Tier
- Pro Vieh
- Tier & Mensch
- Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft e.V.
- Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.
- Tierschutz Entwicklungshilfe e.V.
