29. Juni 2026

Pressemitteilung: Neuer Bericht offenbart alarmierende Zustände in der weltweiten Tiertransportschiff-Flotte

Das Tiertransportschiff "Julia A K" wird am Hafen von Cartagena (ES) beladen.

Ein neuer internationaler Bericht zeigt: Die weltweite Flotte der Tiertransportschiffe besteht überwiegend aus jahrzehntealten, umgebauten Frachtschiffen. 134 der 159 offiziell registrierten Tiertransportschiffe wurden ursprünglich nicht für den Transport lebender Tiere gebaut. Sie weisen deutlich häufiger gravierende technische Mängel auf als eigens dafür konzipierte Schiffe und werden von Hafenbehörden regelmäßig festgesetzt. Dennoch transportieren sie jedes Jahr Dutzende Millionen lebende Tiere über die Weltmeere.

Wie dramatisch die Folgen sein können, zeigt der Fall des Tiertransportschiffs Spiridon II, der derzeit die Justiz beschäftigt. Das 53 Jahre alte Schiff transportierte vergangenen Herbst knapp 3000 Rinder von Uruguay in die Türkei. Bereits vor der Abfahrt kam es zu technischen Problemen und monatelangen Verzögerungen. Viele Rinder mussten während der Überfahrt unter prekären Bedingungen ihre Kälber gebären. Nachdem die Entladung verweigert worden war, harrten die Tiere wochenlang auf dem Schiff aus. Hunderte von ihnen starben.

"Die Spiridon II ist kein tragischer Ausreißer, sondern symptomatisch für eine kaum regulierte Branche, die seit Jahren auf marode und teils kaum seetaugliche Schiffe setzt und in Tieren nur eine Fracht sieht", sagt Maria Boada-Saña, Projektleiterin Tiertransporte per Schiff bei der Animal Welfare Foundation. 

Gemeinsam mit der französischen Organisation Robin des Bois und dem Tierschutzbund Zürich hat Boada-Saña die Tiertransportschiffe weltweit analysiert. Der Bericht zeichnet das Bild einer Flotte, die von überalterten, umgebauten Schiffen, wiederkehrenden Sicherheitsmängeln und mangelnder Kontrolle geprägt ist. 

84 Prozent aller 159 Tiertransportschiffe waren ursprünglich gewöhnliche Handelsschiffe. Sie wurden erst Jahrzehnte nach ihrem Bau zu Tiertransportern umgebaut. "Im Durchschnitt sind diese umgebauten Schiffe heute 45 Jahre alt, wurden bereits 242-mal wegen technischer Mängel beanstandet und viermal von Hafenbehörden festgesetzt", sagt Jacky Bonnemains, Geschäftsleiterin bei Robin des Bois. Schiffe, die nicht für den Transport von Tieren konzipiert sind, weisen deutlich häufiger schwerwiegende Mängel auf als diejenigen, die von Beginn an für Tiertransporte gebaut wurden. 

Im Jahr 2024 wurden bei 88 Prozent aller Kontrollen von Tiertransportschiffen Mängel festgestellt. 15,1 Prozent der Schiffe wurden sogar festgesetzt – fast viermal häufiger als der Durchschnitt aller Schiffstypen. "Obwohl diese Schiffe fühlende Lebewesen transportieren, sind sie damit seit sechs Jahren in Folge die gefährlichste Flotte der Welt. Unser Bericht zeigt, dass viele Tiertransportschiffe längst aus dem Verkehr gezogen werden müssten", so Boada-Saña. 

Die Folgen der maroden Flotte betreffen nicht nur die Tiere: Fast ein Drittel der Schiffe verstieß 2024-2025 gegen Umweltvorschriften. Wegen ihres hohen Alters erfüllen viele Tiertransportschiffe die Anforderungen des internationalen Übereinkommens zur Verhütung der Meeresverschmutzung (MARPOL) nicht. Gleichzeitig wurden auf 60 Schiffen Verstösse gegen internationale Arbeitsstandards festgestellt, unter anderem bei Unterkünften, Arbeitsbedingungen, Löhnen und sozialem Schutz.

Mehr als die Hälfte dieser Schiffe fährt unter Flaggen, die auf der Schwarzen Liste des Paris Memorandum of Understanding stehen. Viele werden von Klassifikationsgesellschaften überwacht, die nicht den höchsten internationalen Standards angehören. Hinzu kommen verschachtelte Eigentümerstrukturen mit Briefkastenfirmen, die Verantwortlichkeiten verschleiern. 

"Der Bericht macht deutlich, dass die Probleme weit über den Tierschutz hinausgehen. Sie betreffen die Sicherheit der Schifffahrt, den Schutz der Meeresumwelt und die Arbeitsbedingungen der Besatzungen gleichermaßen", so Bonnemains. 

Wir fordern die Regierungen der im Lebendtierhandel per Schiff involvierten Länder daher nachdrücklich auf, Maßnahmen zu ergreifen: 

  • Setzen Sie strengere Standards durch und schließen Sie Gesetzeslücken. 
  • Schützen Sie Tiere, Menschen und die Meere.
  • Verbieten Sie den Export lebender Tiere und beenden Sie diese Grausamkeit. 

Solange der Transport lebender Tiere auf einer Flotte basiert, die überwiegend aus jahrzehntealten, umgebauten Frachtschiffen besteht, bleiben schwere Zwischenfälle wie jener der Spiridon II ein systemisches Risiko – für Tiere und Menschen gleichermaßen. 

Pressemitteilung hier downloaden. 

Bericht über die globale Tiertransportflotte hier downloaden. 

Infografik hier downloaden.