07. November 2025

Schiff mit tausenden Tieren aus Uruguay steckt vor der türkischen Küste fest

Seit über zwei Wochen sitzt das Frachtschiff Spiridon II mit 2901 Rindern aus Uruguay an Bord vor der türkischen Küste fest. Aufgrund von Unstimmigkeiten bei den Ohrmarken verweigern die türkischen Behörden demSchiff die Entladung. Laut einem Schreiben des Schiffseigners sind inzwischen mindestens 48 Tiere gestorben. Die Vorräte an Futter und Wasser gehen zur Neige.

Die Animal Welfare Foundation (AWF) hat gemeinsam mit Animal Advocacy and Food Transition, Animals International sowie der international renommierten Expertin für Tiertransporte per Schiff, Dr. Lynn Simpson, die türkischen Behörden in einem Brief dringend aufgefordert, die Tiere zu entladen, um weiteres Leid zu verhindern. Weiter haben die Organisationen die EU-Kommission mit einem offiziellen Schreiben angehalten, alle möglichen diplomatischen und technischen Schritte zu unternehmen, um die sofortige Entladung der überlebenden Rinder zu ermöglichen.

„Die Situation wird von Tag zu Tag schlimmer. Nach der wochenlangen Überfahrt von Uruguay in die Türkei sind die Tiere ohnehin schon geschwächt. Jede weitere Verzögerung, mit der sie an Bord gehalten werden, bedeutet massives Tierleid“, erklärt Dr. Maria Boada Saña, Tierärztin bei der Animal Welfare Foundation.

Auch die australische Veterinärin Dr. Lynn Simpson, die über jahrelange Erfahrung an Bord solcher Schiffe verfügt, warnt vor den katastrophalen Bedingungen: „Nach über 40 Tagen auf See sind Futter, Wasser und Einstreu vermutlich weitgehend aufgebraucht“, sagt sie. Außerdem könne die Umkehrosmose in Küstennähe nicht mehr zuverlässig Süßwasser produzieren, weil es dort viel mehr Partikel gebe als im Tiefseewasser. „Ich vermute, dass die Wasserversorgung beim Ankern sehr gering oder von fragwürdiger Qualität ist“, so Simpson.

„Das Schicksal dieser 2901 Rinder steht exemplarisch für das System der Lebendtierexporte auf hoher See“, so Boada-Saña weiter. „Solange solche Transporte erlaubt sind, werden sich diese Tragödien wiederholen.“

Die Spiridon II liegt derzeit vor dem Hafen von Bandırma (Türkei) vor Anker. Nach unserer Kenntnis transportiert das Schiff, das unter togolesischer Flagge fährt, aktuell hauptsächlich Tiere aus Südamerika in den Nahen Osten. Eine Genehmigung, in europäischen Häfen Tiere zu laden, besitzt es gemäß unserem Wissensstand nicht mehr. Vor einigen Jahren transportierte das Schiff auch noch Tiere aus Europa in Länder außerhalb der EU. 

Die ganze Pressemitteilung können Sie hier herunterladen. 

Unseren Brief an die türkischen Behörden finden Sie hier

Das Schreiben an die EU-Kommission gibt es zum Download hier