Tierexporte per Schiff
Drittlandexporte per Schiff
Um sich der Überproduktion von Tieren zu entledigen, exportieren die Mitgliedstaaten der Europäischen Union über drei Millionen Tiere pro Jahr in Länder außerhalb der Europäischen Union, vor allem Rinder und Schafe. Die Nachfrage nach lebenden Tieren für die Milchproduktion und Schlachtung ist in Ägypten, dem Libanon, in Libyen, Israel, Syrien und in den Maghreb-Staaten groß. In LKWs werden sie aus der gesamten Europäischen Union in die EU-Verladehäfen transportiert und von dort verschifft.
Für die Mehrheit der Tiere bedeutet dies tage- und wochenlange Transporte auf Fähren und in Schiffen, oftmals unter katastrophalen Bedingungen. Früher oder später werden die Tiere in den genannten Ländern geschächtet, d.h. betäubungslos geschlachtet. Die Methoden zur Fixierung der Tiere sind oft jenseits der Vorstellungskraft und weit entfernt von EU Gesetzen zum Tierschutz bei der Schlachtung.
Ungeeignete und veraltete Schiffe
Trotz zahlreicher Bedenken und Risiken in Bezug auf das Wohlergehen der Tiere, die Sicherheit der Besatzungen und die Umwelt lassen diverse EU-Mitgliedsstaaten zahlreiche Schiffe lebende Tiere in Drittländer exportieren. Sie sind die einzige Schiffskategorie, die lebende, empfindungsfähige Fracht befördert. Dennoch ist die Zahl der bei Hafenstaatkontrollen festgestellten Mängel so hoch, dass Tiertransportschiffe weltweit die Flotte mit der höchsten Anzahl an Festhaltemaßnahmen sind. Bei von der EU zugelassenen Tiertransportschiffen werden regelmäßig Mängel festgestellt, von denen einige zu Festhaltemaßnahmen und sogar zu vorübergehenden Fahrverboten führen. Viele Mängel sind eine Gefahr für das Wohlergehen, die Gesundheit und die Sicherheit der Tiere.
Seit unserer ersten Studie zu Viehtransportschiffen im Jahr 2017 hat sich die Situation nicht verbessert, sondern sogar verschlechtert. Im Jahr 2024 waren 64 Schiffe für die Verladung europäischer Tiere in EU-Häfen zugelassen. Das Durchschnittsalter dieser Schiffe beträgt fast 43 Jahre, was deutlich älter ist als der Altersdurchschnitt anderer Schiffskategorien. Von diesen Schiffen wurden 94 Prozent nach rund 30 Jahren auf See umgebaut. Sie wurden ursprünglich nicht für den Transport lebender Tiere gebaut, sodass es zu strukturellen Problemen hinsichtlich der Konstruktion und Stabilität der Frachtschiffe sowie zu einer erhöhten Kentergefahr kommen kann. Die Ladung dieser Schiffe besteht aus lebenden Tieren, die sich bewegen, was bei extremen Wetter- und Seebedingungen besonders besorgniserregend ist.
Fast die Hälfte der von der EU zugelassenen Tiertransportschiffe fährt unter der Flagge eines Landes, das gemäss Pariser Memorandum of Understanding (Paris MoU) als „Schwarzflaggenstaat“ geführt wird (zum Beispiel Togo, Sierra Leone oder Tansania). Sie weisen am meisten Mängel und Festhaltungen auf. Von den 64 von der EU zugelassenen Tiertransportschiffen haben 24 im Laufe ihrer Betriebszeit schwere Zwischenfälle und verschiedene Pannen erlitten: Motorausfälle mit oder ohne Tiere an Bord, Brände, Kollisionen und Ölunfälle während des Bunkervorgangs sind einige davon.
Diese Flotte verursacht auch Probleme, die über den Tierschutz hinausgehen. Dazu gehören etwa Risiken für die Tier- und öffentliche Gesundheit aufgrund der potenziellen Ausbreitung von Krankheiten; die Nutzung der Schiffe zur Verschleierung illegaler Aktivitäten wie Menschen- und Drogenhandel sowie Umweltschäden für die Meeresfauna. Zwischen 2021 und 2023 wurden bei drei Viertel der 64 von der EU zugelassenen Viehtransporter Mängel bei der Vermeidung von Verschmutzung gemeldet. Darüber hinaus missachten Exporteure und Betreiber von Viehtransportschiffen die MARPOL-Vorschriften (Anhänge IV und V) zum Schutz der Meeresumwelt und verursachen durch das Entsorgen toter Tiere und Gülle in das Mittelmeer schwerwiegende Umweltschäden.
Wir sind alarmiert darüber, dass diese Viehtransporter nach wie vor in und von Häfen der Europäischen Union aus operieren. Angesichts des Alters und der mangelhaften Leistungsfähigkeit der meisten von der EU zugelassenen Schiffe ist in Zukunft mit weiteren Unglücken zu rechnen.
Probleme bei Schiffsexporten
Seit 2015 führen unsere Teams Einsätze in den Häfen Rasa (Kroatien), Koper (Slovenien), Tarragona und Cartagena (Spanien) durch und konnten sogar Tiere auf einem Schiff von Kroatien bis nach Ägypten begleiten. Die Ergebnisse unserer Recherchen sind dramatisch. In den untersuchten Häfen wurden die Tiertransporte weder ausreichend kontrolliert, noch sanktioniert. Die Probleme sind systembedingt und haben für die Tiere oft katastrophale Folgen:
- fehlende behördliche Kontrollen der Tiere und der Verladevorgänge in vielen Häfen (u.a. brutaler Umgang mit den Tieren bei der Beladung, Transport verletzter Tiere),
- stundenlange Wartezeiten der Tiere in den LKWs bis zur Verladung aufs Schiff,
- mangelhafte Infrastruktur in den Verlade- und Bestimmungshäfen (fehlende Stallungen, ungeeignete Verladevorrichtungen etc.),
- ungeeignete, veraltete Schiffe (u.a. Verletzungsgefahren, schlechte Belüftung, Tiere müssen in ihren eigenen Exkrementen liegen)
- fehlende medizinische Behandlung kranker Tiere auf den Schiffen,
- fehlende behördliche Überwachungsmöglichkeit für den Transportabschnitt auf See und bis zur Ankunft (u.a. Anzahl kranker, verletzter, toter Tiere)
- Entsorgung toter Tiere und Gülle ins Mittelmeer
Was wir tun
2017 legt die internationale und auf EU-Recht spezialisierte Anwaltskanzlei Conte & Giacomini in unserem Auftrag eine umfangreiche Beschwerde zu Schiffstransporten bei der EU Kommission ein und fordert sie auf, Vertragsverletzungsverfahren gegen verschiedene Mitgliedstaaten einzuleiten. Die Verfahren dauern noch an.
Die EU-Kommission hat daraufhin 2018 und 2019 erstmals Inspektionsbesuche in den EU-Häfen durchgeführt und viele der oben genannten Probleme bestätigt. Das erhöht die Chancen auf Vertragsverletzungsverfahren vor dem Europäischen Gerichtshof.
Wir werden weiterhin die Missstände bei Tiertransporten per Schiff dokumentieren und dass, obwohl es für unsere Teams immer schwieriger wird, in die Häfen und in die Nähe der Tiere zu kommen.
Wir lehnen den Export lebender Tiere in Drittländer ab und fordern eine Begrenzung der Transportdauer bei Tiertransporten.
Gemeinsam mit unserem europäischen Dachverband, der Eurogroup for Animals, werden wir weiterhin Druck auf die Politik ausüben, um Verbesserungen für die Tiere zu erreichen.
Was Sie tun können
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Weitere Informationen
Faktenblatt:
Lange Tiertransporte
Faktenblatt:
Exporte landwirtschaftlicher Nutztiere in Drittländer
Dossier:
Animal Welfare Overboard
Entschliessung Europa Parlament:
Schutz von Tieren beim Transport inner- und ausserhalb der EU
Tierschutztransportverordnung:
(EG) Nr. 1/2005 über den Schutz von Tieren beim Transport
Studie 2024: AWF x Robin des Bois
64 EU-zugelassene Tiertransportschiffe
Studie (Robin des Bois, AWF|TSB):
78 EU-zugelassene Tiertransportschiffe
Studie im Auftrag des EU-Untersuchungsausschuss Tiertransporte (ANIT):
Tierwohl auf Seeschiffen und Kriterien für die Erteilung von Zulassungen für Tiertransporte













